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- 16.Dezember 2006 - 23.Oktober 2006 - 10. September 2006 - 22. August 2006 - 20. August 2006 - 15. August 2006
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16. Dezember 2006 |

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Hallo Ihr alle! Jetzt habt Ihr ja doch ein Weilchen nicht mehr von mir gehört... Das hatte auch seinen Grund: In den letzten Wochen war ich so beschäftigt wie noch nie in meinem Leben – und das will was heißen... Ihr kennt mich ja. ;-))) In meiner letzten Mail hab ich Euch ja von Chicago berichtet. Ein paar Wochen drauf war Halloween, was ich mit ein paar Freunden auch zünftig gefeiert habe. :-) Ein Foto könnt Ihr im Anhang finden. Meine holländische Freundin Raven und ihr Freund Myron haben ein riesiges Kostüm-Arsenal in ihrem Apartment, und da fand sich dann auch eine Polizei-Uniform für mich, die mir passte - naja, ein bissel drin ertrunken bin ich schon... Aber anscheinend war’s doch glaubwürdig: Noch bevor wir das Wohnheim verließen, wartete ich, meines Zeichens Polizistin, unten in der Eingangshalle auf Raven und Myron. Als ein Bewohner hier aus dem Haus in die Halle kam, ist er ganz schön zusammengezuckt – und war dann umso erleichterter, als er mich ansprach und ich mit meinem deutschen Akzent antwortete. Hihi. Ich frage mich, was er zu verbergen hatte... ;-) In der Bar, in die wir dann gefahren sind, hat Raven mich zu etwas späterer Stunde dann dazu gebracht, Strafzettel zu verteilen für alle, die nicht tanzten. Von meiner Konsequenz beeindruckt, haben sich tatsächlich ein paar Leute auf die Tanzfläche geflüchtet. ;-)) Anfang November dann bin ich mit ein paar anderen amerikanischen und international students nach Indianapolis zum Basketballspiel der Indiana Pacers gegen Orlando Magic (die mit Grant Hill!!! (er scheint wichtig zu sein ;-) )) gefahren. Dank unserer Anwesenheit haben die Pacers sogar gewonnen! Ha! Wir haben auch ordentlich gebrüllt... Nach dem Spiel hatte jeder Besucher einen Freischuss auf einen der Körbe. Ja, ich hab mein Glück auch versucht... Aber mit hunderttausend Leuten in der Schlange hinter einem kann man sich nicht gescheit konzentrieren – ich hab also gekonnt daneben getroffen. ;-) Aber Spaß hat’s gemacht! Ende November stand dann Thanksgiving auf dem Plan. Ich war bei Brenda zum Dinner eingeladen – nicht ohne auch selbst beim Zusammenmanschen des superpappigen und –süßen Marshmallow-Nachtisches zu helfen! Brendas Eltern und die Kinder ihres Mannes waren auch da. Und ein riesiger Truthahn! :-))) Anschließend hab ich dann fast alle Essensreste bekommen, bin ja Brenda’s „Kiddo“, und da kümmert sie sich immer um meine Wohlgenährtheit. :-) Unser Kühlschrank spendete also noch tagelang turkey, dressing und beans... War aber lecker! Überhaupt war ich in letzter Zeit dann öfter mal bei Brenda und ihrer Familie (deshalb ist sie auch auf der Mehrzahl der Fotos zu sehen – ich bin noch nicht bei ihr eingezogen ;-) ). Das nächste Event war das Schmücken eines ihrer 4 Weihnachtsbäume, nämlich des Haupt-Weihnachtsbaums im Wohnzimmer (zwei gibt’s noch im Ess- und Hobbyraum im Keller und einen im Schlafzimmer). Da Bill ein großer NASA-Fan ist (ja, von sowas kann man Fan sein) und auch Brenda damit angesteckt hat, steht dieser Baum immer unter dem Raketen- und Nationalstolz-Motto. Wir haben das arme Plastikgewächs also erst mal mit tonnenweise roten, blauen und weißen Lichterketten behängt. Als nächstes kamen Plastik-Raketen und Figuren aller Art (z.B. Äffchen...) in Astronauten-Kostümen – sogar ein Astronaut in einem klobigen Mondfahrzeug, das an die Lichterkette angeschlossen wird, die Zweige des Baums um einen halben Meter nach unten zieht und pausenlos blinkt. Brenda machte es sich auf einem Sessel gemütlich und reichte mir die hunderttausend Gehänge an, für die ich dann um das letzte Fitzelchen Platz auf dem bald nicht mehr als solcher erkennbaren Baum kämpfen durfte... Die Krönung war eine Plastikfigur, die einer Mischung aus Mutter Maria und Engel gleichkam – mit in allen Farben blinkenden Glasfaser-Flügeln und tuffigem Tüll-Kleidchen, unter dem ein Plastiksockel hervorschaut und ein Kleber „Made in China for Walmart“. Ja. Eine Woche später gab’s dann ein großes Christmas-Dinner, diesmal mit Schweinebraten. Mmmh! :-)) Ich durfte den Pumpkin-Pie anrühren und die Senfeier füllen, was Ihr auf den Fotos sehen könnt. (Ja, es gibt Leute, die mir in der Küche vertrauen! Haha.) Sogar Bescherung gab’s noch für mich, ganz klassisch in Geschenkkartons unter einem der Weihnachtsbäume, auch davon gibt’s ein Bild. Ansonsten waren die letzten Wochen voll mit papers und Projekten für die Uni – „crunchtime“ wird das hier genannt, und das ist eine niedliche Untertreibung. Wortwörtlich heißt es, dass man sich die Nächte um die Ohren schlagen darf und permanent übermüdet ist, weil einfach viel zu viele Sachen gleichzeitig anstehen. Wenn’s einfach mal ein bisschen weniger wäre auf höherem Niveau, ich glaube das würde im Gesamten mehr bringen... Aber gut. Ich hab’s gestern mit der letzten Abgabe hinter mich gebracht, und jetzt hab ich auch endlich Ferien! :-) Dieses Wochenende spiele ich noch bei ein paar Weihnachtskonzerten in Vincennes mit, das ist eine Stunde entfernt von hier. Dort führt die „First Church of God“ (ich frag mich immer, ob sie die ersten Plätze im Himmel bekommen...) ein großes Weihnachtsmusical auf. Die Kirche selbst ist ein riesiger Neubau, mit Kindergarten, Krabbelgruppe, „Fellowship Hall“ und und und... In der Haupthalle befindet sich eine riesige Bühnenanlage mit Beleuchtungstechnik vom Feinsten. Für das Musical tragen die Chormitglieder und andere Kirchenmitglieder Kostüme wie im 19. Jahrhundert, mit allem Pomp, den Ihr Euch nur vorstellen könnt! Man kommt sich vor wie auf einem Filmset... Angesichts dieses Schwelgens in Ausstattungsreichtum hoffe ich nur, dass ein bisschen Geld dann auch für gute Zwecke abgeführt wird... So, und jetzt muss ich mal weiterpacken. Am Montag werde ich nämlich nach Berlin fliegen, vom 22. bis 31. dann in Koblenz sein und dann noch mal bis 5.1. in Berlin. Ich würde mich sehr freuen, den einen oder anderen von Euch zu sehen! :-))) Habt einen wunderschöne Weihnachtszeit und einen superfluppi Rutsch in ein erfolgreiches und schönes 2007! Eure Lena
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23. Oktober 2006 |

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Hallo Ihr alle da draußen!
Hier ist der Herbst ausgebrochen, die Blätter färben sich bunt, und leider fallen sie auch ab – was mir bald den Blick aus meinem Apartment auf die wunderschöne amerikanische Flagge vor dem Haus erleichtern wird...
In den letzten Wochen war ich so beschäftigt wie schon lange nicht mehr!
Um meine beruflichen Chancen in dem Job-Dilemma, was mich in Deutschland erwarten wird, etwas zu erweitern, bin ich seit September Reporterin für die Uni-Zeitung „Indiana Statesman“ – hohoho! ;-) Ich schreib im Bereich „Campus News“ und darf ständig wichtige Leute der Uni interviewen. Bisher sind sogar fast alle meine Artikel durch wundersame Weise auf’s Titelblatt gelangt, hihi. Mein größter „Coup“ war ein Artikel zum Aufschwung der Einschreibungszahlen an der Uni – der ging über zwei Seiten und bringt mir wahrscheinlich demnächst ein nettes Sümmchen auf meinem Konto ein. :-))) Das Schreiben ist zwar super-stressig und aufwendig, aber zum Glück hab ich ja noch mein Diktiergerät aus China. :-) Und da ich gezwungen bin zu schreiben, lern ich auch ne Menge dazu, und so geht’s immer ein Stück besser.
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Ja, und seit Ende September hab ich ein zweites Elternpaar hier. Das sind die liebe Brenda und ihr Mann Bill (Ihr erinnert Euch?). Wir wurden, ohne uns wehren zu können, vom Chef des Auslandsamtes an der Uni einfach in dieser Form zusammengeschweißt – weil Brenda und ich uns „doch so gut verstehen und immer zusammen einkaufen fahren“. *lach* Aber das stimmt sogar. Brenda ist echt witzig. Sie holt mich mittlerweile jeden Freitag Nachmittag zur Walmart-Tour ab – und kennt meine Einkaufsliste besser als ich!!! Wenn wir in der Käse-Abteilung ankommen (wie gesagt, ich liiiebe Käse! :-))) und hier gibt’s mir davon viiiel zu wenig – diesen ollen Cheddar-Käse kann man ja nicht ertragen!), wartet Brenda immer geduldig und auf die Einkaufswagen-Stange gestützt, bis ihr „kiddo“ sich dann auch mal entschieden hat, welches kleinste Übel der Käsesorten sie diesmal wohl wählen wird... Und dann verkündet sie regelmäßig: „Lena, Du brauchst noch Saft!“ – Woraufhin sie belustigt zuschaut, wie ich nach 100%-igem Fruchtsaft suche (nicht so einfach hier, da wird viel getrickst – und alles ohne Zucker ist den Menschen hier eh suspekt) – bevor wir dann weiterziehen, und sie die doppelte Riesen-Packung Coke für ihren Bill kauft. (Er denkt zwar immer noch, dass ich „Luka“ heiße, aber im Grunde genommen ist er sehr froh, dass ich da bin, denn so gibt’s wenigstens regelmäßigen Cola-Nachschub. :-) ) Seit einem Monat sind auch sämtliche kitschigen Weihnachtsartikel draußen – darauf steht Brenda, und daran kommen wir nicht vorbei. Ausgestopfte Stoff-Puppen und –Weihnachtsmänner sind das Beste! Zum Abschluss der Einkaufstouren gönnen Brenda und ich uns dann oft den lustigen rip off-Käse, eine kleine Käsestange, die man – mehr oder weniger gekonnt – mit den Zähnen in Streifen abreißen kann – ähnlich wie eine mehrschichtige Banane. (An dieser Stelle verbitte ich mir zweideutige Gedanken!!!) :-)
Trotz aller Harmonie in Terre Hell bin ich dann vor zwei Wochen mit drei anderen deutschen Jungs, zwei Französinnen, einer Lettin und drei amerikanischen Jungs nach Chicago geflohen (Al Capone kam uns auf dem Highway entgegen). Ihr glaubt nicht, wie gut mir die Großstadtluft getan hat! Von dem Moment an, als wir aus dem Auto stiegen, hab ich mich nicht mehr einbekommen angesichts der wunderbaren Wolkenkratzer, des knallblauen Himmels darüber, des frischen Lüftchens, das vom Lake Michigan herwehte, und der so gut gekleideten Menschen! Nach wochenlangem Anblick der „Hillbillies“ im Landesinneren war ich bei jedem Menschen erstaunt, der nicht in Laufschuhen und Baseball-Cap samt bequemer Umstandskleidung herumlief. Es war unglaublich!
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Die beiden Ami-Jungs, die die Autos fuhren, Dave und Gary, waren leider nicht ganz so begeistert vom Großstadt-Trubel. Als wir nach dem ersten Nachmittag und Abend aus der Stadt rausfuhren in Richtung Norden, wo wir bei den Eltern des dritten Amis, Michael, übernachten konnten, verlor einer der beiden die Nerven und hat sich hoffnungslos verfahren. Es war zum Glück nicht das Auto, in dem ich saß. :-) Ich hatte nämlich Justus und Oliver dabei, und die haben sich natürlich ganz deutsch und fachmännisch zu den Kartenlesern ernannt. Per Telefon wollten sie auch den armen Gary aus der Stadt rauslotsen, nur leider wusste der Gute offenbar mit den Bezeichnungen West und Ost nichts anzufangen... Schlussendlich hat aber auch er den Großstadt-Dschungel erfolgreich überwunden und kam eine Stunde nach uns zur Mitternachtssuppe bei Michaels Mutter an. Die Krönung des Abends war dann jedoch eine Aktion, die mir zum ersten Mal sehr deutlich gemacht hat, wie um Himmels Willen bestimmte Vorurteile über Deutsche entstehen... Justus setzte sich nämlich trotz der vorgerückten Stunde hin, um einen DUSCHPLAN für alle aufzustellen!!! Er hat sage und schreibe alle einzeln abgefragt, wie lange sie am nächsten Morgen im Bad brauchen würden und das dann haarklein aufgelistet. Mit Namen! Und da die Mädels in einem Zimmer schliefen und die Jungs in einem anderen, hat jede Gruppe ein Post-it mit dem genauen Zeitablauf bekommen, das sie sich dann an die Tür kleben durften – bzw. wohl eher SOLLTEN. Ich dachte, ich spinne!!!
Am nächsten Tag – nach erfolgreichem Abspulen des Duschplans (Mission geglückt!) – sind wir dann mit den Autos ins kleine Örtchen Woodstock gefahren (dort wurde „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gedreht!) und haben von dort aus den Zug nach Chicago rein genommen. Das hat uns zwar eine Stunde mehr gekostet (was die unverbesserlichen Grantler Justus und Oliver zu endlosen Beschwerden veranlasste), bescherte Dave und Gary jedoch ruhige Nerven. :-) Chicago war dann noch seeehr schön!
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Letzten Sonntag war ich bei einem befreundeten Ehepaar meines Dozenten Dr. Worley und seiner Frau, den Dr. Allens, zum Burrito-Essen eingeladen. Mal davon abgesehen, dass ein Monstrum von einem Rottweiler namens Bonnie ständig auf meinen Füßen saß und mich mit ihrem Kopf haute, sobald ich mit dem Streicheln aufhörte, war der Abend sehr entspannend. :-) Ich muss immer wieder feststellen, dass auch im Mittleren Westen nicht alle Menschen Unterstützer ihres hochgeschätzten Präsidenten sind... Die Frau meines Dozenten meinte wieder ironisch, dass in diesem Land alle, die gegen die Regierung sind, als Terroristen-Unterstützer abgestempelt werden, nach dem Motto: „I LOVE terrorists!“ Als Dr. Allen dann erzählte, dass Herr Dr. Worley kürzlich in einer Ausgabe der linken Studentenzeitung unserer Uni genannt war, weil er wohl an seinem Büro einen Artikel gegen sexuellen Missbrauch hängen hat und das von der Zeitung gegen den Vorfall mit dem Republikaner-Abgeordneten in Washington ausgelegt wurde, fiel Frau Dr. Worley ihrem Mann um den Hals und rief: „Baby, I love you!“ Woraufhin er ganz rot wurde. Es war so lustig!
Auch über religiösen (christlichen) Fundamentalismus, der hier bekanntlich weit verbreitet und in vieler Leute Augen auch völlig selbstverständlich ist, haben wir gesprochen (in Terre Haute gibt es Abermillionen von Kirchen!). Großes Erstaunen hab ich ausgelöst, als ich erzählte, dass radikale Sekten in Deutschland verboten oder zumindest vom Verfassungsschutz beobachtet werden. – Hier hingegen wurden neulich wohl Bibeln mitten auf dem Campus verteilt! Und heute kamen zwei freundliche Frauen in langen Röcken bei mir vorbei, die mir auch ein paar die Welt verbessernde Heftchen in die Hand drücken wollten. (Bei uns fliegt sogar im Waschmaschinen-Raum immer eine Ausgabe vom „Wachturm“ rum... wahrscheinlich soll’s Hirn gleich mitgewaschen werden... Entschuldigung, aber Ihr wisst hoffentlich, wie ich’s meine!)
Und da mit Jugendlichen über Sex nicht gesprochen wird – und das gilt laut meines Dozenten aus Kalifornien nicht nur für den Mittleren Westen –, und es eben auch keine sexual education in der Schule gibt, werden die Mädels hier reihenweise sehr früh schwanger (Indiana hat wohl die höchste Geburtenrate minderjähriger Mädels der ganzen USA). Einer meiner Kommilitonen, der erst 19 ist, hat neulich seine kleine Tochter mit in der Uni gehabt. Unglaublich! – Und dann trifft man reihenweise Paare Mitte 40, die alle in zweiter Ehe verheiratet sind... Kein Wunder.
So. Nun wird der moralisch erhobene Zeigefinger wieder eingefahren. ;-)
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Dieses Wochenende war Homecoming angesagt! Und während ja das eigentliche Highlight dieses Ereignisses ist, dass dann die Football-Mannschaft der Uni ein Heimspiel hat und eigentlich alle zugucken sollten, haben die Studenten meiner Uni hier eine andere Tradition entwickelt: „THE WALK“!
Gestern in aller früh hat man sich also – sofern man das Glück hatte, mindestens 21 Jahre alt zu sein – um 6 oder – für die Memmen – um 7 Uhr morgens zum Frühstück getroffen, um dann jegliche Kneipe auf der Terre Hell’schen „Verkehrsader“, der Wabash Avenue, abzugrasen. Die betreffende Strecke beträgt so ca. 10 Kilometer, und da gibt es schon das eine oder andere Schöppchen zu trinken... Als ein paar Jungs aus meinem Studium mich diese Woche einluden, mit ihnen zu kommen, hab ich erst mal gekniffen. ;-) Aber dann hat mich auch meine Fitness-Trainerin Erin gefragt, ob ich mitkommen mag. Und da sie eine echt Nette ist und außerdem mit ihren Freundinnen eine „light version“ des Walk plante, hab ich mich angeschlossen. :-)))
Gestern morgen dann hat Erin mich und auch Raven, meine holländische Freundin, abgeholt, und dann sind wir erst mal zum Frühstück bei einem weiteren Mädel gefahren. Da gab’s lecker Speckstreifen, Rührei und sowas ähnliches wie „Arme Ritter“ – superlecker! :-)))
Anschließend sind wir in die Stadt reingefahren und haben uns die Homecoming-Parade angetan. (Etwas Sinnloseres gibt’s ja fast nicht mehr – unsere Karnevalsumzüge haben wenigstens noch ein Motto – ob jetzt „Helau“, „Alaaf“ oder „Olau“...) Als wir alle Cabriolets mit Beauty-Queens, alle Marching-Bands und wichtigen Menschen der Uni (fast) schadlos überstanden hatten, ging’s los. auf den Walk! Lustig war’s, und im Anhang könnt Ihr Fotos sehen (sowie unten die Erklärungen dazu und zu allen anderen Bildern – wenn möglich, druckt sie Euch am besten aus... ;-) ).
Und jetzt erlöse ich Euch – und mich. ;-)) Muss noch ein bissel Hausaufgaben machen – hier kommt man sich manchmal vor wie in schlimmsten Schulzeiten...!
Ich drück Euch alle, macht es Euch schön,
Eure Lena
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10.September 2006 |
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Hello miteinander! So langsam stauen sich in der Metropole Terre Haute die Neuigkeiten, so dass ich Euch heute nun doch mal wieder mailen muss. :-) Dieser Ort hier ist tatsächlich der Nabel der Welt – innerhalb von 15 Minuten bis hin zu einer Stunde kommt man nach Brasilien, Paris und Schottland! Ein Besuch bei mir lohnt sich also allemal! :-)) (Für die Geographie-Begeisterten unter Euch: Es handelt sich um die Örtchen Brazil, Paris und Scottland, die noch einwohnerärmer sind als Terre Haute...) Ja, ich wohne hier an einem spannenden Ort. Vor zwei Wochen hab ich auf dem Campus zufällig eine Holländerin kennen gelernt, Raven. Sie ist sage und schreibe schon seit 6 Jahren hier!! (Und ich hatte in der ersten Woche schon ernsthaft daran gezweifelt, wie ich es ganze 9 Monate hier aushalten soll...) Naja, wo die Liebe hinfällt: Sie hat einen Amerikaner kennen gelernt, Myron, der so ziemlich gegen alles ist, wie man nur gegen irgend etwas sein kann. – Und das ist eigentlich ganz erfrischend hier, mitten im Midwest. :-) Mit den beiden und ihren Freunden war ich nun ein paar Mal weg, und so hab ich auch die „Terre Haute Brewery“ kennen gelernt, die – man mag es kaum glauben – die zweitälteste Brauerei der ganzen USA ist (es gibt sie „schon“ seit achtzehnhundertnochwas). Dort werde ich jetzt übrigens schon „Miss Bavaria“ gerufen, nur, weil ich – meines Zeichens „Münchner Kindl“ (die Bayern unter Euch mögen an dieser Stelle getrost lachen) – dem zugegebenermaßen recht guten Bier mein anerkanntes deutsches Urteil zukommen ließ. ;-) Wie mir einer von Myrons Freunden dann bei einem Glas des süffigen „Champagne Velvet“ erzählte, war Terre Haute mal ein richtiger Moloch: Zu Zeiten Al Capones wurde es als „Sin City“ bezeichnet, weil besagter Mann und andere Verbrecher immer von Chicago aus hier her geflüchtet sind, wenn die Bullerei mal wieder hinter ihnen her war, hihi. Heute wird Terre Haute eher als „The Armpit of Indiana“ bezeichnet – auf gut deutsch: „die indiana-ische Achselhöhle“. Weil es hier angeblich oft stinkt. Nach was, konnte mir noch niemand genauer erläutern. – Ob ich es denn noch nicht bemerkt hätte?! – Ähm... Nein, ich muss sagen, dass ich es eher mal ganz angenehm finde, wie wenig Autos hier in den Straßen unterwegs sind (obwohl natürlich schon die Fünfjährigen hier ihre Karre vorm Haus parken haben, einfach nur so für den Fall der Fälle, dass man sich mal 3 Meter vom Sofa fortbewegen muss). Und meistens weht ein frischer Wind durch die Bäume – von denen es hier massenweise gibt. Mir kommt Terre Haute immer vor wie ein großer Garten mit ein paar Häuschen drauf – mal abgesehen von der Schnellstraße mit den vielen schönen Imbiss-Ketten. À propos Schnellstraße: Sie ist ein Quell der Freude und Glückseligkeit. Putzigerweise führt sie nämlich direkt an meinem Wohnheim vorbei, und noch drolliger ist es, dass die Truck-Fahrer offensichtlich alle 5 Meter testen müssen, ob ihre von der ganzen Country-Mucke abgenutzten Ohren überhaupt noch schallempfänglich sind – und so tröten sie die ganze Nacht durch. Das ist aber noch nicht alles: Erfreulicherweise ist Terre Haute DER Knotenpunkt des indiana-ischen Güterzug-Verkehrs (leider nicht mehr für Personen, denn – wer fährt schon noch Zug in dieser Welt voller privater Abgas-Schleudern???). Und da nicht an allen Bahnübergängen Schranken vorhanden sind (wozu auch, wenn im Schnitt nur alle 27 Stunden mal ein Auto drüberfährt), sind die Zugfahrer gesetzlich dazu verpflichtet, bei jedem Bahnübergang ihre monströsen, die ganze Stadt überschallenden Hupen anzumachen. DA TICKT MAN AUS!!! In den ersten Nächten hier hatte ich wirklich Probleme, in meinen jetlag-geschädigten Schlaf zu finden... Hinzu kommt ja noch, dass natürlich auch unser Wohnheim die obligatorische Nationalflagge vor der Haustür stehen hat – und somit direkt vor meinem Schlafzimmer-Fenster. Und datt Dingen kloppt im oben beschriebenen Wind die ganze Nacht gegen die Fahnenstange!!! Zusammen mit den 5 Zentimeter großen MONSTER-Grillen da draußen, die STÄNDIG zirpen, sodass man sich noch bei geschlossenen Fenstern die Ohren zuhalten möchte, IST DAS EINFACH NUR... Aber halt. Was rege ich mich auf. :-) Eigentlich beginne ich doch gerade, mich einzuleben. Die Sonne scheint, ich lerne mehr und mehr Leute kennen... Und jetzt spiel ich hier auch im Orchester des Music Department mit. Mir wurde die Ehre zuteil, eines der institutseigenen Celli für die Dauer meines Aufenthaltes zu bekommen. – In Wirklichkeit glaub ich ja, die wollen einfach weniger Staub wischen in ihrer Instrumenten-Vorratskammer. Das arme Cello (denn ich versuche mir ja immer zu sagen, dass es selbst gar nix dafür kann) ist das allerallerschlechteste Instrument, auf dem ich jemals gespielt habe! Und meine Orchesterleute in Berlin werden sich einen Ast lachen, wenn ich Euch sage, dass wir hier auch Schostakowitsch 5. Sinfonie spielen. Was ja schön ist – denn so kann ich wenigstens schon alle üblen Passagen... Aber leider kann ich bei den Piano-Stellen eigentlich auch gleich aussetzen, denn die Saiten sprechen eh nicht an. ES IST FRUSTRIEREND!!! Allerdings war ich in der vorletzten Probe so wütend darüber, dass es das Cello glaub ich gemerkt hat – und bei der letzten Probe haben wir uns gleich viel besser verstanden. ;-)) (Für Lore & Co. ;-) : Unser Dirigent lässt uns die Endlos-a`s im letzten Schostakowitsch-Satz übrigens MEHR ALS DOPPELT so schnell spielen wie Manfred. Ich dachte beim ersten Mal, ich spinn! Die komplette Wirkung, die wir in Berlin erarbeitet hatten, geht verloren – und ich kann meinen Bogenarm gar nicht so schnell bewegen... ;-))) ) So, dafür, dass meine Finger nicht einrosten in der Zeit hier, ist also gesorgt. ;-) Des weiteren werd ich wohl zu Jaqueline Chan oder so mutieren. Das mit dem Karate-Verein hier stellt sich nämlich schwieriger heraus, als ich es mir gewünscht hatte... Leider ist Karate an der Uni für Anfänger (ich weiß auch nicht, ob die sich in dem Kurs JEMALS wirklich BEWEGEN werden...), und ansonsten gibt es nur wenige andere Martial Arts Clubs in der Stadt. Und die wiederum sind mir irgendwie zu brutal. Ja, jetzt dürft Ihr lachen. Denn schließlich betreibe ich ja Kampfsport und sollte mich eigentlich nicht so anstellen. Jajaja, ich weiß. Aber die machen hier alle sogenanntes „grabbling“ (was sie dann als das wahrhafte, ursprüngliche Karate, Marke „Okinawan Style“, verpacken), und datt heißt: Zupacken, Verbiegen, Verrenken und nötigenfalls mit gezielten Schlägen einfach bewusstlos hauen, bis der Arzt kommt!! Und das wortwörtlich: Mir hat neulich einer erzählt, dass er sich mit einer Kampfsport-Gruppe regelmäßig auf dem Campus trifft, und dann hauen die sich gegenseitig Baseball-Schläger gegen die Schienbeine, bis diese lustig zu bluten beginnen. Das soll den Calcium-Gehalt in den Knochen erhöhen. Aha. Der gute Junge bemerkte dann auch, dass ich gelinde gesagt etwas perplex war und versicherte mir beruhigend, dass es noch schlimmere Leute gebe: Die hauen dann wohl ihre Beine gleich gegen Baumstämme – ist ja praktischer und gibt ja auch so viele davon. Von den Bäumen, mein ich. Drückt mir einfach die Daumen, dass ich auch im nächsten Jahr noch schön Cello spielen kann, und dass mein schöner weißer Karate-Gi nicht ins Rote wechselt (geschweige denn, dass ich meine Auslandskrankenversicherung in Anspruch nehmen muss...). Und ansonsten kann ich nur sagen: Komm mir bloß keiner mehr dumm!! ;-)) Ja, was kann ich Euch sonst noch Schönes erzählen? Ach ja. Die Uni. Ich kann Euch sagen, hier hat man wirklich zu tun! Ich hab Seminare zu Drehbuchschreiben, Filmproduktion, Kommunikationswissenschaft und zur Software „Flash“. Es macht wirklich richtig Spaß, aber es ist auch eine Höllenarbeit! Ständig gibt es seitenweise Bücher zu lesen, Aufsätze und Drehbuch-Auszüge zu schreiben, Forschungsarbeit zu betreiben und Filme zu drehen oder eben bis zum Ende des Semesters mit „Flash“ zu animieren. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. ;-) Außerdem läuft ein großer Teil der Kurse online ab, alle Ankündigungen und Hausaufgaben werden im Netz gepostet und dann dort auch eingereicht, jeder Student hat sein eigenes Portal mit allen Kursen, Mail-Account und Bibliotheks-Recherchemöglichkeiten. Von letzteren gibt`s hier Unmengen! Auch Zitier- und Bibliographie-Software bis zum Umfallen – entweder war ich da in Deutschland bisher hinterm Mond oder die Amis haben uns da halt wirklich EINIGES voraus... Doch à propos Mond (entschuldigt mein Hin- und Hergehopse, aber Ihr merkt: In Terre Haute steppt der Bär!): Ich bin letzte Woche „gemoont“ worden!!! Nichtsahnenderweise flitzte ich gerade auf meinem Radl die 6th Street entlang, als mich ein Truck überholte – den ich getrost missachtet hätte – hätten mich nicht aus den Seitenfenstern zwei riesige, blanke Hinterteile angeschaut. Und diesen amerikanischen Volkssport nennt man eben „mooning“. Yeah. Es lebe die Freikörperkultur! (Ein Amerikaner erzählte mir auf meine entrüstete Erzählung dieses Zwischenfalls hin, er sei schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemoont worden – strahle ich irgendetwas aus, was meine Mitmenschen dazu veranlasst, mir ihre Gesäße zu zeigen – und diese auch noch in ihrer schönsten Pracht??!) Vielleicht sind männliche Wesen hier auch einfach nur verzweifelt. Zumindest diejenigen, die noch nicht – wie hier allgemein üblich – mit Mitte 20 verheiratet sind und neun Monate später ihr erstes Kind ihr Eigen nennen. Durchschnittlich werde ich zweimal die Woche von etwas panikartig dreinblickenden Männern gefragt, ob ich verheiratet sei. Und das ist oft wirklich die erste Frage, die solche (wohlgemerkt wildfremden, denn die Jungs auf dem Campus trauen sich das nicht) Menschen stellen. Die zweite Frage ist dann bereits, etwas abgeschwächter: „Are you dating someone?“ Mir wurde neulich von meinem wohlmeinenden Dozenten-Ehepaar Herr und Frau Dr. Worley nahegelegt, ich solle mir entweder einen Plastik-Ehering an irgendeinem Automaten ziehen, oder als Gegenfrage äußern: „Nein, ich bin noch solo, aber ich brauche unbedingt einen liebevollen Mann, der mich und meine fünf Kinder versorgt. *strahl*“ – Das seien ultimative Waffen hier. ;-))) Brenda (Ihr erinnert Euch sicherlich noch an das Pancake-Frühstück mit ihr und ihrem Mann Bill (ich hab jetzt auch endlich seinen Namen gelernt!)) und ich waren vorgestern Ice Cream essen. War das lecker!! :-) Und danach hat sie mich durch einen der größeren Parks der Stadt gefahren. Ja. GEFAHREN. Als Brenda erleichtert äußerte, dass aufgrund des Regens ja gar nix los sei, und wir deshalb so bequem da durchcruisen könnten, hab ich ihr erst mal erzählt, dass Parks bei uns in Deutschland zumeist eher zum spazierenGEHEN einladen. Und dass Autos überhaupt gar nicht erst reindürfen ins schöne Grün. Da war Brenda aber erstaunt! ;-) (Im Weiterfahren fiel mir dann auf, dass auf allen Rasenflächen Schilder angebracht sind, welche die Leute vom Missbrauch derselbigen als Parkplätze abhalten sollen...) Vorhin kam ich übrigens von einem kulturellen Großereignis zurück, sozusagen einem Berliner Waldbühnenkonzert in klein. Das „Terre Haute Symphony Orchestra“ lud zum „Rythm by the River“ ein, was im Park gleich hinter meinem Wohnheim, am idyllischen Wabash River, stattfand. Im Gegensatz zum Berliner Konzert war dieses hier allerdings gratis, und so versammelten sich denn auch eine Menge „Terre Hautians“ (die Bewohner dieser schönen Stadt) mit ihren Picknick-Stühlchen, Sonnenschirmchen und Baseball-Caps, um sommerlich-leichten Melodien von Gershwin über Beethoven, Pachelbel und Dvorak bis hin zu Auszügen aus „Lord of the Dance“ und „Pirates of the Caribbean“ zu lauschen. Als dann zum stimmgewaltigen Gesang einer Gospel-Sängerin die „Battle Hymn of the Republic“ mit dem Euch bestimmt bekannten Text „Glory, Glory, Hallelujah“ erklang, standen alle ergriffen auf und sangen andächtig mit. Ich muss zugeben, es war auch eine seltsame Stimmung – wenn man daran denkt, dass morgen der 11. September ist... Ich weiß noch nicht, was morgen hier so alles memorial-mäßig abgeht, aber bis jetzt merkt man auf jeden Fall nicht viel von dem bevorstehenden Tag – außer, dass natürlich die Zeitungen voll davon sind und Radio-Specials mit Erlebnisberichten laufen... So, und da es bei mir nun auch Nacht ist und ich Euch nicht noch länger vom Schlafen abhalten will ;-), mach ich dann jetzt mal Schluss. Viele liebe Grüße aus Terre Hell (wie mein Dozent aus Kalifornien immer sagt) Von Eurer Lena
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22.August 2006 |

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Hallo, ich muss Euch noch einmal stören. ;-) Gestern haben mich noch ein paar Beschwerden erreicht, dass mein Mail-Anhang mit den Bildern verwunderlicherweise als Spam eingestuft wurde und daher von mehreren von Euch nicht zu öffnen gewesen war. - So geht`s natürlich nicht!!! Damit Ihr mir nicht böse seid, dass ich Euch schon wieder zumülle ;-), hab ich sogar noch ein paar neue Bilder - ebenfalls vom Seminar in Miami - dazugetan. Und wenn ich mit dem Thumbnail-Programm riesengroßen Bockmist gebaut habe, dann hau mir doch mal bitte auf die Finger, Yves!!! ;-))) Ich versuch ja nur, Euch allen eine kleine Freude zu bereiten... Übrigens bekomm ich morgen ein Fahrrad geschenkt - von meinem student advisor! Ein Rennrad!!! Ich wollte schon immer mal Rennrad fahren! :-))) (Naja, es ist eine Leihgabe seiner Frau - aber ich darf es das ganze Jahr über behalten! *freu*) Und überhaupt sieht alles grad ganz toll aus, mein Studium scheint gut zu werden, ich werd ne Menge zu tun haben, und vorhin war ich mit Brenda shoppen - sie hat sich kaputtgelacht über meine verpeilte Art, Lebensmittel einzukaufen. Und dann haben wir gemeinsam so schöne Worte wie "bucket" (= Eimer - ich brauchte was zum Putzen...) geübt. Woraufhin ich das Wort ein paarmal laut vor mich hin sagte ("bucket, bucket, bucket, bucket..."), bis Brenda mich sanft darauf aufmerksam machte, dass das vielleicht bei den anderen Leuten im Supermarkt nicht so gut ankäme - wenn man statt dem "b" ein "f" verstünde... Ich hab dann aufgehört. ;-) So, jetzt lass ich Euch aber mal wieder alleine, muss mal was essen... Liebste Grüße von Eurer Lena
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20.August 2006 |

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Hallo Ihr alle! Nachdem ich den Jetlag einigermaßen überwunden habe, bin ich zwar geistig wieder zurechnungsfähig, allerdings noch nicht so sicher, wie lange ich dies bleiben werde... ;-) Am Donnerstag kam ich mit einer Stunde Verspätung und der Hilfe einer Winz-Maschine am Flughafen von Indianapolis (Hauptstadt von Indiana) an, wo ich von meinem international student advisor Brenda abgeholt wurde. Sie ist eine recht wohlgenährte, fröhlich vor sich hin schnatternde Blondine, die wirklich sehr darum bemüht ist, dass ich mich wohl fühle. Auf der Fahrt nach Terre Haute (meinem Studienort) erzählte sie mir ihre gesamte Familiengeschichte von deutschen, irischen und französischen Vorfahren bis hin zu ihren jetzigen Familienmitgliedern – ihrem Ehemann und ihren Katzen (die ihr mit Vorliebe per Pfotenschlag fast die Nase brechen)... Brenda arbeitet im Auslandsamt der Indiana State University (wo ich studieren werde), kümmert sich um die ca. 120 ausländischen Studenten der Uni und macht nebenher ihren Master in Geschichte nach (sie ist um die 40). Am meisten interessiert sie natürlich amerikanische Geschichte, wie sie mir in einem ihrer Monologe erklärte – zwar habe sie einmal ein Seminar über die Besetzung Chinas durch die Japaner besuchen müssen, doch das habe sie ja üüüberhaupt nicht interessiert! „Das ist ja so weit weg! Was interessiert mich denn, was die Chinesen und die Japaner da drüben machen? Es war sooo langweilig!“ Zum Glück kann sie sich jetzt wieder verstärkt auf die amerikanische Weltraumgeschichte konzentrieren – ihr Mann ist ganz verrückt nach allem, was mit Astronauten und Raketen zu tun hat, und die beiden wollen nach Florida zum Kennedy Space Center ziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. (Ihr Mann möchte dort am liebsten Touristen übers Gelände führen...) Als wir nach Terre Haute kamen, und ich mich gerade wunderte, ob das jetzt nur ein Vorort ist oder schon das Stadtzentrum, erklärte mir Brenda, dass sie Terre Haute ja „so laaarge“ finde. Sie sei in einem Ort mit ein paar tausend Einwohnern (natürlich nicht weit von hier) aufgewachsen, und dagegen sei Terre Haute mit seinen fast 60.000 Seelen riiiesig. Okay... Die erste Nacht wurde ich mit Brendas Einsatz in einem Gästezimmer eines der Wohnheime auf dem Campus untergebracht und am nächsten Morgen um 8 gleich von ihr und ihrem Mann zum Frühstück abgeholt. Mit dem Auto ging`s ein paar hundert Meter weiter ins „Ihop – International House of Pancakes“. Das wunderschön am Highway gelegene – natürlich garantiert internationale! – Schnell-Restaurant quoll über vor Familien und Menschen jeglichen Alters, die es offensichtlich als feierlichen Anlass betrachteten, Samstag morgens um 8 fettige Würstchen, Schinken und pappig-süße Pancakes zu sich zu nehmen... Die Unterhaltung mit Brenda und ihrem Mann (ich hab leider seinen Namen vergessen) verlief etwas schleppend. Außer Astronomie und Shopping scheint es nicht so viel zu bereden zu geben... Außerdem schien mich Brendas Mann grundsätzlich nicht zu verstehen. Und als ich ihm was auf Chinesisch aufsagen sollte, sagte er: „Wow, I`ve never heard Chinese with a German accent!“ – Wie kann der gute Mann das unterscheiden??? Aber ich will nicht ungerecht sein – ich werde den beiden bestimmt noch öfter begegnen. ;-) Mein Tag gestern bestand dann daraus, in ein Single-Apartment ein paar Häuserblöcke weg vom Campus umzuziehen. Leider stehe ich auf der Warteliste für ein 2-Personen-Apartment noch ziemlich weit unten, und deshalb hab ich nun ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, Bad und Küche (wie geplant mit riiiesigem Kühlschrank! :-) ) ganz für mich allein. Naja, ist auch nicht schlecht – jede Menge Platz für Besuch! ;-))) Auf dem Weg, mir einen Studentenausweis zu besorgen und meinen Internetzugang sicherzustellen, bin ich auf einige nette und hilfsbereite Studenten gestoßen („you seem lost – can I help you?“ – ich wusste noch gar nicht, dass ich so hilfsbedürftig wirken kann...). Einer erzählte mir, dass er sich früher im Deutschunterricht immer gelangweilt habe und deshalb im Wörterbuch so interessante Wörter wie „Aischhörnschen“, „zuruckgeblieben“ und „behindert“ auswendig gelernt habe... Mir war das etwas befremdlich... Ein anderer sagte mir stolz ein paar Standards wie „Isch liebe Disch“ auf, bevor er mit „Gott im Himmel!“ schloss – worauf ich dem erstaunten Jungen erst mal erklärte, dass das bei uns niemand mehr benutzt. Aber ich find`s ja schön, wenn die Leute sich aufgeschlossen zeigen! ;-)) Einen Ausflug zum Walmart hab ich dann auch noch gemacht, um so überlebenswichtige Dinge wie Küchenutensilien und MÜSLI und JOGHURT (viele von Euch kennen meine Joghurt-Sucht ;-) ) und andere schöne Dinge zu kaufen. Leider war ich dann beladen mit mindestens 20 Einkaufstüten – es muss lustig ausgesehen haben, wie ich vor der Wohnheimstür aus dem Taxi stieg (ohne Auto ist man hier ein jämmerliches Nichts!): Mindestens 20 Tüten auf dem Bordstein, die ich dann kunstvoll an meine so zahlreichen Finger hing und mich damit die Treppen zu meinem Luxus-Apartment heraufkämpfte. Kein Mensch weit und breit, der hätte helfen können... Hier soll es ja irgendwo eine Belgierin und einen Franzosen geben. Die muss ich bei Gelegenheit mal ausfindig machen. Und in „Gerhardt`s Bierstube“ soll sogar eine Deutsche arbeiten... Und ich dachte, ich sei hier was Einzigartiges!!! ;-) Morgen kauf ich mir ein Fahrrad. So! :-) Ganz liebe Grüße von Eurer Lena
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15.August 2006 |

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Hallo Ihr alle! Fuer alle von Euch, die nicht mehr auf dem aktuellsten Stand sind: Ich habe mich mal wieder auf den Weg in die weite Welt gemacht - nur, dass er mich dieses Mal an ein anderes Ende derselben gefuehrt hat... Die naechsten 9 Monate werde ich an der Indiana State University im Fach Radio/TV/Film studieren und - wenns nach Plan laeuft - den M.A. in Communications machen. Gestern bin ich aber erst mal mit American Airlines ueber London Heathrow (!!!) nach Miami geflogen. Ich sag Euch, das war ein Spass... Mit Plastiktuetchen bewaffnet, durfte ich in London meine Schuhe hunderttausend Mal aus- und wieder anziehen, viele Fragen beantworten (hat Ihnen irgendjemand was mitgegeben?), und dann durfte ich noch nicht mal was zu Lesen mitnehmen! Der Flug war sooo langweilig! Filmprogramm war auch schlecht. :-( Zuletzt kreisten wir dann eine halbe Stunde ueber Miami, weil unser Flieger keine Landeerlaubnis bekam - es warteten noch einige andere Flieger auf die Erlaubnis... Unser Pilot versicherte uns dann, dass das Benzin noch eine halbe Stunde zum Kreisefliegen reichen wuerde, bevor er sich aber etwas anderes einfallen lassen muesste. Wir sollten uns keine Gedanken machen. Schoen! Nach besagter halben Stunde wurde beschlossen, nach Orlando zu fliegen, um noch mal nachzutanken. Super. Auf halbem Weg nach Orlando jedoch kam dann doch die Landeerlaubnis fuer Miami rein. Der Pilot: "folks", dann fliegen wa doch ma nach Miami... Ja, und hier nehm ich jetzt bis Freitag an einem sogenannten Pre-Academic Program teil. Hier sind Studenten aus aller Welt versammelt (auch aus Syrien und Palaestina - die Armen mussten noch laengere Security Checks am Flughafen mitmachen...), und wir werden von morgens bis abends mit Vortraegen ueber die USA, Politik, Geschichte, Leben, Universitaetsaufbau usw. beschaeftigt. Gleich gehts wieder weiter, obwohl ich mich gefuehlsmaessig auch in die Falle hauen koennte... Aber wir machen eine Bootstour zum South Beach - das DARF man sich ja gar nicht entgehen lassen! :-))) Ich maile Euch noch mal, wenn ich geistig wieder zurechnungsfaehiger bin. Im Moment ist mir immer noch nicht ganz klar, dass ich hier tatsaechlich in Florida bin... Und das Witzige ist: Hier fuehlt man sich fast wie in Shanghai! Zumindest was die feuchte Luft und Waerme, die Wohntuerme und geschmacklos kitschigen Einkaufszentren am Hafen angeht... ;-) Und Klimaanlagen sind schrecklich - ich glaub, morgen bin ich erst mal krank... So, jetzt gehts los! Liebe Gruesse! Eure Lena
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