Reisebericht Japan 2005


Ein Traum wird wahr: Sieben Eisbär/innen erleben Karate und Kultur an den Originalschauplätzen in Japan

Tokyo, 32 Grad und schwül - nicht gerade ein ideales Klima für Eisbärinnen und Eisbären, aber wir haben uns schnell daran gewöhnt. In zehn Tagen zeigten uns Reiseleiterin Marié Niino und Ishikawa Sensei, unterstützt von Mariés Mutter Sanae, unkompliziert und mit unendlicher Energie das Land der aufgehenden Sonne und die kulturellen Sehenswürdigkeiten in Tokyo und Kyoto.



Die japanische Küche war für die meisten von uns Neuland. Mit Stäbchen ausgerüstet wagten wir uns schon zum Frühstück an Fisch, Reis, rohes Ei, eingelegtes Gemüse und getrockneten Seetang. Dazu wird eine Schale Bohnenmehlsuppe (miso) getrunken. Sonst gab es kalte oder warme Nudeln, Reisbällchen und natürlich auch Sushi, die übrigens mit den Fingern gegessen werden. Die ausgestellten bunten Plastik-Menüs helfen bei der Bestellung, denn die meisten von uns können auf japanisch ja gerade von 1-10 zählen.



Heiner-San Japan-Reise 2005

Das erste im wahrsten Sinn des Wortes schweißtreibende Training fand mit Studenten der Keio-University statt. Hier stand die Wiege des Karate, hier hat Funakoshi Sensei gelehrt. Heiners Gi war im Hotelfenster von weitem sichtbar, hatte aber keine echte Chance zum Trocknen. Weitere spannende Trainingseinheiten gab es mit Ishikawa Sensei und dem israelischen Botschafter Eli Cohen, der mit uns eine Schwertkampfkata übte. Unsere Darbietung war aber in keiner Weise mit der perfekten Vorführung des befreundeten Iaido-Meisters und seiner Frau zu vergleichen.


Für Japaner ist Religionszugehörigkeit keine Frage des Entweder-Oder, sondern des Sowohl-als-auch. Die Mehrzahl gehört den Hauptreligionen Shintoismus und Buddhismus an. Im Shintoismus, der keinen Gründer und keine Schriften kennt, ist die Natur von Gottheiten beseelt. In jedem Gegenstand, Tier oder Baum kann ein Gott oder Schutzheiliger verehrt werden. Etwa 8 Millionen Göttern wohnen vor allem in Vulkanen, Wasserfällen, aber auch in alten Bäumen. Ein Schrein ist an den großen Balkentoren (torii) im Eingangsbereich zu erkennen, während vor Tempeln meistens chinesische Gebäude mit Tieren oder dämonischen Göttern als Wächter stehen. Überall kann man Wahrsagungen, Wunschtäfelchen und Zauber kaufen. Formvollendet baten wir Buddha oder die Götter um die Erfüllung von Wünschen. Aber auch hier gilt: ohne Yen nix los. Sabine hat ihr Glückslos gleich an einen Baum gebunden.


Auf Straßenfesten, Märkten und Tempelgassen fanden wir an Buden und Ständen ein buntes Angebot von Fischen über Süßigkeiten bis Spielzeug und Kleidung. Hard-Rock-Café-Fan Heiner lockte zur Freude der Daheimgebliebenen auch die widerstandsfähigsten Souvenirjäger an die Kasse. T-Shirts aus Tokyo waren eine beliebte Alternative zu Hello-Kitty- und Buddha-Anhängseln.

Auf der künstlich aufgeschütteten Insel Odaiba wollte der vergnügungssüchtige Teil ins japanische Bad, andere bevorzugten ein Nickerchen am Strand inmitten von Tausenden von Menschen. Abends gab es ein zweistündiges gigantisches Feuerwerk und das hautnahe Erlebnis, wie Menschenmassen geordnet bewegt werden können – nicht zu vergleichen mit einem Weltjugendtag in Köln.


Wir bekamen faszinierende neue Eindrücke, seien es die bemerkenswert sauberen öffentlichen Toiletten, seien es die fröhlichen Flötentöne der Fußgängerampeln. Mir hat Daibutsu besonders gefallen, das weltberühmte 13 m hohe Bronzestandbild des Großen Buddha in Kamakura, der seit 1252 hier unter freiem Himmel meditiert. Ich habe das gütige Lächeln geübt, aber ohne innere Ruhe und die Abkehr von weltlichen Leidenschaften wird das nix.

Eine kurze Kreuzfahrt über den Ashi-See brachte uns nach Kojiru im Hakone-Nationalpark. Einheitlich gekleidet in blau-weiß-gemusterten Bademänteln (yukatas) und Pantoffeln stiegen wir, sittsam nach Geschlechtern getrennt, in die heiße Felsenquelle. Dabei wurden wir aufmerksam von den Einheimischen beobachtet, ob wir uns auch gründlich genug waschen. Zumindest die Frauen haben Mariés Rat befolgt und nicht mit Wasser gespart. In den yukatas schritten wir auch zum Buffet mit vielen bis dahin noch unbekannten japanischen Spezialitäten.



Fuji-san

Jahreszeitlich bedingt kann man den Fuji im August so gut wie nie sehen. Aber nicht, wenn Eisbär/innen kommen! Wir haben den berühmten Fuji-san, den mit 3776 m höchsten, schönsten und heiligsten Berg Japans in seiner ganzen majestätischen Würde bei strahlend blauem Himmel bewundert. Ein Fußmarsch zur fünften Station auf 2400 m über schwarzes Lavagestein liess ahnen, dass der Aufstieg zum Gipfel schmutzige Füße, aber vielleicht auch die Erleuchtung bringt. Direkt daneben gibt es Schwefelquellen, leicht am Geruch zu erkennen. Der Busfahrer hatte beim Glücksspiel gewonnen und uns schwarze Eier, einen lokalen Leckerbissen geschenkt. Jedes gegessene Ei verlängert das Leben um sieben Jahre. Hoffentlich reicht die Altersvorsorge dafür.


Im Shinkansen flitzten wir dann nach Kyoto, von 794-1868 Hauptstadt und Sitz der Kaiserfamilien. Im Stadtgebiet verstreut liegen zwei Paläste, 1650 buddhistische Tempel, 400 shintoistische Schreine und viele außergewöhnlichen Gärten, zumeist Weltkulturerbe oder Nationalschatz. Unser Besichtigungsprogramm umfasste u.a. den Kiyomizu-Tempel und den berühmten Goldenen Pavillon des Kinkakuji. In Nara besuchten wir den Tôdaiji-Tempel mit dem größten Bronzebuddha der Welt (16 m) und den Kasuga-Taisha-Schrein mit etwa 1800 Steinlaternen. Nach dem Besuch des Sanjûsangendô-Tempel mit der tausendhändigen Kannon und 1000 kleineren Statuen, von denen keine wie die andere aussieht, machten wir am wahrscheinlich heißesten Tag des Jahres noch eine Fahrradtour. Vom prunkvollen Nijô-jô-Schloß mit dem berühmten Nachtigallenboden, der bei jedem Schritt zirpt und dadurch Eindringlinge verrät, ging es über den berühmten Felsengarten im Ninnaji-Tempel mit Teezeremonie zum Ryoanji-Tempel, der wegen seines mit Sand und Steinen angelegten Zen-Gartens in jedem Reiseführer steht. Wir konnten uns nicht darüber einigen, wie viele Steine man nun sieht. Der Tag endete mit einer Stippvisite im Geisha-Viertel, wo manche Touristen sich wie im Zoo benehmen.


Zum Abschied gab es zwei neue Koffer für Marina und Bernd und eine Daumenbreite Sake für alle. Die Vielfalt der angebotenen Aktivitäten, die familiäre und humorvolle Betreuung, einprägsame persönliche Erlebnisse und viele Fotos (nur Klaus hat alles im Kopf) tragen dazu bei, dass uns diese Reise in unvergesslicher Erinnerung bleibt. 2008 findet die Karate-WM in Tokyo statt, Grund genug, den Sparbären aufzustellen.

Marlis

P.S. Wer mehr über unser Reiseprogramm und die Sehenswürdigkeiten wissen will, kann das im DKV-Magazin Karate 5/2005 nachlesen.